
Die 7 größten Mythen über SAP S/4HANA Public Cloud
SAP S/4HANA Public Cloud: 7 Mythen, die wir in der Akquise und in Projekten immer wieder hören – und was wirklich stimmt
Die Diskussion rund um SAP S/4HANA Public Cloud ist oft emotional. Viele Unternehmen sowie SAP Anwender und SAP Consultants verbinden „Public Cloud“ noch immer mit Einschränkungen, Risiko oder fehlender Kontrolle.
Gleichzeitig sehen wir in Projekten: Sobald man die Lösung wirklich verstanden hat, kippt die Wahrnehmung sehr schnell – und aus Skepsis wird häufig Überzeugung.
Wir arbeiten als SAP Consultant und haben Projekterfahrung mit SAP S/4HANA Public Cloud. Und genau deshalb sind wir überzeugt: Die Public Cloud ist kein „abgespecktes SAP“, sondern ein modernes, skalierbares ERP, das gerade für Unternehmen mit Zukunftsambitionen enorm viel Potenzial bietet.
In unserem Beitrag räumen wir mit den 7 häufigsten Mythen auf, die mir im Projektalltag begegnen – und erklären aus unserer Sicht, was in der Realität dahintersteckt.
Warum entstehen diese Mythen überhaupt?
Viele Missverständnisse stammen vermutlich aus Erfahrungen mit:
- alten ECC-/On-Premise-Welten
- klassischen SAP-Implementierungen mit vielen Customizing-Optionen
- früheren Cloud-Lösungen, die tatsächlich sehr limitiert waren
- fehlendem Wissen über „Fit-to-Standard“ und moderne Erweiterungskonzepte
Das Ergebnis: Public Cloud wird mit „weniger“ gleichgesetzt.
In Wahrheit ist es eher „anders“ und manchmal sogar besser, wenn man es richtig angeht.
Mythos 1: „In der Public Cloud kann man nicht anpassen; Customizing geht nicht.“
Realität: Anpassung ja, aber modern und upgrade-sicher.
Stimmt: In der Public Cloud gibt es weniger klassisches, tiefes Modifikations-Customizing als früher. Und das ist auch gut so.
Stattdessen gibt es ein modernes Modell:
In-App Konfigurationen: Viele Anforderungen lassen sich direkt über im laufenden Betrieb lösen ohne den Kern (Clean Core) zu verändern. Diese Anpassungen erfolgen über das Fiori Launchpad
Die sogenannte Extensibility der Public Cloud erfolgt über:
- APIs. Sie sind die stabilen Schnittstellen für die Kommunikation mit dem Kernsystem.
- Events. Events ermöglichen eine ereignisgesteuerte Architektur (Event-Driven Architecture), und damit eine asynchrone Kommunikation mit anderen Anwendungen zu ermöglichen
- SAP BTP (Side-by-Side Extensions). Dieser Option wenden wir für Erweiterungen zur Geschäftslogik an, die außerhalb des eigentlichen ERP-Kerns auf der SAP Business Technology Platform (BTP) laufen sollen, um das Kernsystem unverändert zu lassen.
- Developer Tools wie ABAP RAP (ABAP RESTful Application Programming Model).
Für tiefere Anpassungen direkt im Stack („On-Stack“) könnten wir die Developer Extensibility zusätzlich nutzen.
Der entscheidende Punkt ist: Public Cloud setzt auf Upgrade-Sicherheit. Das heißt, Erweiterungen sollen Releases nicht blockieren. Genau das ist ein riesiger Vorteil. So können im späteren Betrieb schnell und einfach die vielen Neuerungen pro Release genutzt werden.
Mythos 2: „Public Cloud ist weniger sicher als On-Premise.“
Realität: Security ist in der Public Cloud eher stärker, weil sie konsequent standardisiert ist.
Wir hören oft: „Unsere Daten sind On-Prem sicherer.“
In der Praxis sehen wir jedoch häufig: On-Prem ist nicht automatisch sicherer. Es wird nur als sicherer wahrgenommen.
SAP Public Cloud folgt strengen Standards, u. a. durch:
- Verschlüsselung von Daten. SAP nutzt standardmäßig Verschlüsselung für Daten im Ruhezustand (At-Rest, z.B. AES-256) und bei der Übertragung (In-Transit, TLS).
- Compliance-Zertifizierungen. Um globale Standards zu erfüllen, lässt sich SAP regelmäßig nach Normen wie ISO 27001, SOC 1/SOC 2 und spezifischen Branchenstandards zertifizieren.
- regelmäßige Security-Patches und Updates. Da SAP die Hoheit über die Infrastruktur hat, werden Sicherheitslücken zentral und automatisch geschlossen.
- definierte Betriebsprozesse. Der Betrieb folgt standardisierten ITIL-Prozessen.
On-Prem bedeutet oft:
- Security hängt stark von internen Ressourcen ab
- Updates werden verschoben („läuft ja“)
- technische Schulden entstehen über Jahre
Public Cloud ist hier sehr konsequent: Security ist nicht optional, sondern Bestandteil des Betriebsmodells.
Mythos 3: „Migration in die Public Cloud ist zu komplex und dauert ewig.“
Realität: SAP liefert Methodik & Tools, damit ist Migration planbar und schnell.
Natürlich ist eine Migration kein Selbstläufer. Aber sie ist heute viel strukturierter als früher.
In Projekten sind zwei Dinge entscheidend:
1) SAP Activate Methodology
SAP Activate ersetzt das klassische „Raten“, was als Nächstes kommt, durch einen standardisierten Prozess. SAP Activate bietet:
- klare Phasen. Von Discover über Explore (die Workshops) bis Run führt die SAP Activate Methodology das Projekt-Team durch klare Meilensteine und Aufgaben.
- Fit-to-Standard-Workshops. Statt „Was wollt ihr konfiguriert oder programmiert haben?“, fragen wir: „Wie passt euer Prozess in den SAP-Standard?“. Das spart massiv Zeit und Kosten.
- Best Practices: Das Implementierungs-Team startet nicht bei Null, sondern kann vorkonfigurierte Prozesse direkt aktivieren.
2) Migration Cockpit
Das SAP S/4HANA Migration Cockpit hilft, Daten strukturiert zu übernehmen:
- Mapping & Transformation: Hier werden Altsystem-Werte (z. B. Firma „CONS“) in die neue Welt („DE01“) übersetzt
- Validierung. Durch die automatische Validierung gegen die Geschäftslogik der Cloud wird verhindert, dass „Datenmüll“ das neue System korrumpiert.
- Migration in Iterationen
Unser Eindruck aus Projekten:
Die Migration wird vor allem dann „komplex“, wenn man versucht, die alte Welt 1:1 zu kopieren. Wenn man hingegen Fit-to-Standard ernst nimmt, wird sie deutlich einfacher.
Mythos 4: „Public Cloud unterstützt keine Branchenprozesse.“
Realität: Es gibt vorgefertigte Industry Best Practices.
Viele Unternehmen glauben, die Public Cloud sei zu generisch. Tatsächlich bietet SAP aber vorkonfigurierte, branchenspezifische Inhalte. SAP hat das Rad nicht für jede Branche neu erfunden, sondern die Best Practices aus Jahrzehnten Branchenerfahrung in die Cloud gegossen.
Beispiele:
- Manufacturing
- Retail
- Professional Services
- weitere Industries über Best Practices
Die Vorteile in der Praxis:
- Geringeres Risiko: Da die Prozesse bereits im System „leben“ und getestet sind, entfällt die Fehlerquelle komplexer Eigenentwicklungen.
- Benchmark-Standard: Unternehmen vergleichen ihre oft historisch gewachsenen (und ineffizienten) Prozesse mit dem bewährten Branchen-Standard und passen sich an – nicht umgekehrt.
Mythos 5: „Integration mit Drittsystemen ist schwierig.“
Realität: Public Cloud ist auf Integration ausgelegt und APIs sind Standard.
Gerade weil Public Cloud standardisiert ist, sind Integrationsmöglichkeiten sehr professionell gelöst.
Typische Möglichkeiten:
- APIs (REST/OData)
- Standard-Integrationen mit SAP-Lösungen
- Integrationsplattformen (z. B. SAP Integration Suite)
- Event-basierte Integration
In einem modernen ERP-Umfeld gilt: Kein System steht allein.
Public Cloud ist deshalb nicht „isoliert“ zu betrachten, sondern ist ein Baustein in einer integrierten Systemlandschaft.
Mythos 6: „Es gibt ständig Downtime wegen Updates.“
Realität: Updates laufen automatisiert und mit planbaren Wartungsfenstern.
Ein häufiges Argument gegen Cloud ist: „Dann sind wir abhängig von SAP.“
In der Realität: Updates erfolgen automatisch in geplanten Wartungsfenstern und mit minimaler Unterbrechung.
Und vor allem: Man muss nicht mehr jedes Upgrade als Großprojekt planen.
Das ist ein Kulturwechsel: Weg von „wir upgraden alle 5 Jahre“ hin zu „wir bleiben kontinuierlich aktuell“
Das sorgt langfristig für unsere Kunden:
- weniger technische Schulden
- bessere Stabilität
- schnellere Innovation
Mythos 7: „SAP S/4HANA Public Cloud ist nur für kleine Unternehmen geeignet.“
Realität: Public Cloud ist skalierbar und geeignet auch für Mid- und Large-Enterprises.
Dieser Mythos hält sich hartnäckig. Viele denken: Public Cloud = Standardlösung für kleine Firmen. In Projekten sehen wir aber genau das Gegenteil: Skalierung ist ein Kernprinzip der Public Cloud.
Warum ist das wichtig?
- Unternehmen wachsen schneller, internationaler und dynamischer
- neue Gesellschaften/Standorte müssen zügig angebunden werden
- Rollouts sollen in Wochen statt Monaten erfolgen
Die Public Cloud ist darauf ausgelegt: globale Prozesse, globale Templates, schnelle Skalierung, ohne dass Infrastruktur oder Release-Projekte die Organisation ausbremsen.
Zur Wahrheit gehört auch
Die Public Cloud ist noch nicht so ausgereift wie die Private Cloud. Schon aus der alten ECC-Welt bekannte Automatisierungen bzw. Vereinfachungen sind noch nicht in dem Umfang in der Public Cloud zu finden. (Länder-)spezifische Anforderungen sind nicht bzw. unterschiedlich stark ausgeprägt.
Aber: Für die Public Cloud werden in der Regel zweimal pro Jahr große Release-Upgrades (im Februar und August) bereitgestellt, die automatisch eingespielt werden. Diese beinhalten jeweils zwischen 700 bis 1000 Neuerungen. Eine Dynamik die uns immer wieder beeindruckt.
Was ist aus unserer Sicht der größte Vorteil der Public Cloud?
Unternehmen, die Public Cloud nutzen, profitieren von:
- standardisierten Prozessen
- schnellerer Einführung
- weniger Wartungsaufwand
- kontinuierlichen Verbesserungen
- klarer Architektur
Und: Man wird gezwungen, Prozesse zu hinterfragen und nicht einfach alte Sonderwege mitzuschleppen. Genau das ist oft der eigentliche Hebel für Transformation.
Fazit: Public Cloud ist kein Kompromiss – sondern eine strategische Entscheidung
Die 7 Mythen zeigen: Viele Vorurteile basieren auf Annahmen aus einer anderen Zeit.
SAP S/4HANA Public Cloud ist heute:
- skalierbar
- sicher
- erweiterbar
- integrierbar
- sicher
- branchenfähig
- updatefähig
Und aus unser Sicht als Consultant mit Projekterfahrung:
Wer Public Cloud richtig angeht, bekommt nicht nur ein neues ERP – sondern ein Fundament für Wachstum und Zukunftsfähigkeit.
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