
SAP S/4HANA Cloud ERP Release 2608
Die Logistik-Highlights des SAP S/4HANA Cloud ERP Release 2608
Mit dem Release 2608 entwickelt SAP die logistischen Prozesse in SAP S/4HANA Cloud Public Edition erneut umfassend weiter. Neben zahlreichen funktionalen Erweiterungen rücken dabei insbesondere stärker integrierte End-to-End-Prozesse, eine weiter verbesserte User Experience sowie der zunehmende Einsatz von Automatisierung und Business AI in den Mittelpunkt.
In diesem Blogbeitrag werfen wir einen praxisorientierten Blick auf ausgewählte Neuerungen in den logistiknahen Lines of Business Sales, Service, Asset Management, Manufacturing, Supply Chain sowie Sourcing & Procurement. Entlang dieser Bereiche stellen wir zentrale Innovationen des Release 2608 vor und zeigen, welchen konkreten Mehrwert sie für die Gestaltung und Optimierung betrieblicher Abläufe bieten können.
LoB Sales & Service
Mehr Kontrolle durch die automatische Beschaffungssperre im Kundenauftrag
Nach der Erfassung eines Kundenauftrags stößt das System verschiedene Folgeaktivitäten an. Es prüft beispielsweise die Verfügbarkeit, übergibt Bedarfe an die Planung oder erstellt Bestellanforderungen. Sind zu diesem Zeitpunkt noch Auftragsdaten unvollständig, Preise ungeklärt oder Freigaben ausstehend, können Prozesse vorzeitig angestoßen werden. Daraus entsteht häufig zusätzlicher Korrekturaufwand.
Mit Release 2608 führt SAP daher die automatische Beschaffungssperre (Supply Block) auf Verkaufsauftragspositionen ein. Sie pausiert beschaffungs- und logistikrelevante Aktivitäten, darunter ATP-Prüfung, Bedarfsübergabe und Bestellanforderungen, bis definierte Kriterien erfüllt sind.
Die Steuerung ist flexibel: Kundenspezifische Prüfregeln können über das BAdI SD_SLS_FINALIZE umgesetzt werden. Auch Kreditprüfungen und Genehmigungsworkflows werden berücksichtigt. Ein einheitlicher Status zeigt transparent, ob ein Auftrag vollständig, teilweise oder nicht gesperrt ist. Über die Sales Order OData v4 API lassen sich Sperrgrund und Status außerdem in integrierten Prozessen nutzen.
Der Mehrwert: Unternehmen verhindern voreilig ausgelöste Folgeaktivitäten, reduzieren manuelle Nacharbeiten und erhöhen die Prozesssicherheit – ohne den SAP-Standard zu modifizieren. Die Beschaffungssperre wird damit zum intelligenten Kontrollpunkt zwischen Auftragserfassung, Freigabe und Beschaffung.
Highlight SAP S/4HANA Cloud 2608: Reisekosten direkt dem Serviceauftrag zuordnen
Mit dem Release 2608 erweitert SAP S/4HANA Cloud Public Edition die Serviceauftragsabwicklung um eine Integration mit SAP Concur. Ziel ist es, reisebezogene Ausgaben aus Serviceeinsätzen unmittelbar der passenden Serviceauftragsposition zuzuordnen. Dadurch können Unternehmen Reise- und Servicekosten enger miteinander verknüpfen und die tatsächlichen Kosten eines Einsatzes transparenter auswerten.
Die Steuerung erfolgt direkt in der App „Serviceaufträge verwalten“. Dort kann eine einzelne Serviceauftragsposition als „Concur-relevant“ gekennzeichnet werden. An SAP Concur werden jedoch nur diejenigen Positionen übertragen, die zusätzlich den Status „Freigegeben“ besitzen. Diese Positionen stehen in SAP Concur anschließend als Kostenträger für Reisekostenbuchungen zur Verfügung.
Besonders interessant ist die Neuerung für Unternehmen mit regelmäßigem Außendienst. Reisekosten lassen sich künftig konkreter dem verursachenden Serviceeinsatz zuordnen, anstatt lediglich auf allgemeineren Kostenstellen oder Innenaufträgen erfasst zu werden. Das kann sowohl die Nachkalkulation einzelner Aufträge als auch die Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Serviceleistungen erleichtern.
Die neue Funktion ist Bestandteil des Scope Items 3D2 „Serviceauftragsabwicklung und -überwachung“ und steht ab SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2608 zur Verfügung. Technisch ist sie der App „Serviceaufträge verwalten“ mit der App-ID F3571A zugeordnet. Eine Aktualisierung auf die neueste Version des Referenzcontents ist dafür laut SAP nicht erforderlich.
Damit schafft SAP eine praxisnahe Verbindung zwischen Service Management und Reisekostenabrechnung und reduziert zugleich den manuellen Abstimmungsaufwand zwischen beiden Bereichen.
LoB Procurement
Das aktuelle SAP S/4HANA Cloud Release bringt zahlreiche Verbesserungen für den Einkauf. Lieferantenbestätigungen unterstützen jetzt Anlagen auf Kopf- und Positionsebene und bieten dadurch eine bessere Dokumententransparenz. Auch archivierte Bestellungen können nun direkt über SAP GUI for HTML hinsichtlich ihrer Ausgaben eingesehen werden.
Für MPN-Materialien werden Herstellerinformationen direkt in Bestellungen angezeigt, wodurch Rückfragen und Falschlieferungen reduziert werden. Zusätzlich ermöglichen Massenänderungen die effiziente Pflege benutzerdefinierter Felder über mehrere Bestellpositionen.
Weitere Neuerungen umfassen Verteilungsvorlagen für zentrale Einkaufskontrakte, die Unterstützung von Materialwirtschafts-Obligos im öffentlichen Sektor sowie die Bereitstellung von Lieferantenbestätigungsvermerken über die OData-API. Insgesamt sorgen die Funktionen für mehr Transparenz, Automatisierung und weniger manuellen Aufwand im Beschaffungsprozess.
Anlagen in zentralen Lieferantenbestätigungen
Mit dem aktuellen Release wurde die App Zentrale Lieferantenbestätigungen verwalten um eine umfassende Anlagenverwaltung erweitert. Anwender können nun Dokumente sowohl auf Kopf- als auch auf Positionsebene einer zentralen Lieferantenbestätigung verwalten.
Im Bereich Anlagen lassen sich Dokumente komfortabel hochladen, herunterladen und bei Bedarf wieder löschen. Darüber hinaus können auch URLs als Anlagen hinzugefügt oder entfernt werden.
Für eine bessere Transparenz bietet die Anwendung zusätzliche Informationen zu den hinterlegten Anlagen. So kann beispielsweise die Gesamtanzahl der zu einer Lieferantenbestätigung gehörenden Anlagen eingesehen werden. Außerdem werden Details zum Benutzer angezeigt, der die Anlage hinzugefügt hat.
Zu jeder Anlage stehen umfangreiche Metadaten zur Verfügung, darunter unter anderem der Dokumentname, die Dokumentart, die Dateigröße, der Status, Änderungs- und Erstellungsdatum, Informationen zum Ersteller und Bearbeiter sowie weitere technische Angaben wie ID, Revision und Dokumenttyp.
Die neue Funktion erleichtert die zentrale Dokumentenverwaltung im Beschaffungsprozess und sorgt dafür, dass alle relevanten Informationen direkt an der Lieferantenbestätigung verfügbar sind.
Ausgabenachrichten für archivierte Bestellungen
Mit dem aktuellen Release können Ausgabepositionen archivierter Bestellungen nun direkt in den SAP-GUI-for-HTML-Anwendungen ME21N, ME22N und ME23N angezeigt werden.
Über die Schaltfläche Nachrichten werden jetzt auch die Ausgabepositionen archivierter Bestellungen abgerufen und dargestellt. Zur besseren Kennzeichnung wird die Ausgabemaske als Archivierte Bestellausgabe angezeigt. Bislang hatte die Auswahl der Schaltfläche Nachrichten bei archivierten Bestellungen keine Funktion.
Bei der Anzeige archivierter Bestellungen gelten jedoch einige Einschränkungen. So stehen für Ausgabepositionen mit dem Status „In Vorbereitung“ oder „Auszugeben“ keine PDF-Dokumente zur Verfügung. Ebenso können vorhandene Anlagen nicht geöffnet werden, auch wenn deren Anzahl weiterhin in der entsprechenden Spalte angezeigt wird. Darüber hinaus werden für die Ausgabekanäle EDI und EXTOM keine detaillierten Ausgabedaten bereitgestellt.
Die Erweiterung verbessert die Transparenz beim Arbeiten mit archivierten Bestellungen, indem relevante Ausgabedaten auch nach der Archivierung direkt aus den bekannten SAP-GUI-for-HTML-Transaktionen eingesehen werden können.
Abwicklung der Auslieferung und Auftragsbestätigung für Bestellungen mit Materialien mit Hersteller Teilenummer (MPN)
Mit dem aktuellen Release werden Herstellerinformationen für MPN-Materialien (Manufacturer Part Number) direkt in Bestellungen angezeigt. Neben der Herstellerteilenummer können nun auch der Herstellername sowie weitere herstellerspezifische Informationen dargestellt werden. Dadurch erhalten Lieferanten alle relevanten Angaben, um das benötigte Bauteil eindeutig zu identifizieren und korrekt zuzuordnen.
Vorteile
Die Erweiterung sorgt für eine präzisere Kommunikation mit Lieferanten, da Bestellungen neben internen Materialnummern nun auch die zugehörigen Herstellerinformationen enthalten. Dadurch werden Rückfragen reduziert und Missverständnisse bei der Identifikation von Bauteilen vermieden.
Gleichzeitig erhöht sich die Beschaffungsgenauigkeit. Lieferanten können die angeforderten Herstellerteile eindeutig identifizieren, wodurch das Risiko von Falschlieferungen oder ungewollten Ersatzmaterialien sinkt. Dies trägt dazu bei, Beschaffungsfehler und Materialrücksendungen zu reduzieren.
Auch die Effizienz der Lieferkette profitiert von der neuen Funktion. Dank der eindeutigen Kennzeichnung der Herstellerteile können Lieferanten Bestellungen schneller bearbeiten, Abstimmungsschleifen entfallen und Wareneingangsprozesse werden vereinfacht.
Darüber hinaus unterstützt die Erweiterung die Qualitätssicherung, indem sichergestellt wird, dass die vorgesehenen Herstellerteile beschafft werden. Dies erleichtert die Einhaltung von Qualitätsstandards und Compliance-Anforderungen und trägt zu einer konsistenten Materialbeschaffung über den gesamten Produktlebenszyklus bei.
Nicht zuletzt verbessert die Funktion die Zusammenarbeit mit Lieferanten. Vollständige und professionelle Bestelldokumente schaffen Transparenz, reduzieren den administrativen Aufwand durch weniger Rückfragen und erleichtern die Zusammenarbeit insbesondere bei MPN-Materialien.
Durch die vollständige Dokumentation und Rückverfolgbarkeit der Herstellerteile unterstützt die Lösung außerdem die Einhaltung regulatorischer Anforderungen, vereinfacht Audits und bietet eine bessere Grundlage für Gewährleistungsfälle sowie das Produktlebenszyklusmanagement.
Massenänderungen für benutzerdefinierte Felder in Bestellpositionen
Wer mit umfangreichen Bestellungen arbeitet, kennt das Problem: Benutzerdefinierte Felder für Bestellungen konnten bisher nur einzeln aktualisiert werden. Gerade bei großen Bestellungen mit mehr als 100 Positionen bedeutete das einen hohen manuellen Aufwand und kostete wertvolle Zeit. Mit der neuen Erweiterung in der App Massenänderungen an Bestellungen ist es ab sofort möglich, kundenspezifische Felder für mehrere Bestellungen sowie Bestellpositionen gleichzeitig zu aktualisieren. Anstatt jeden Datensatz einzeln anzupassen, können nun mehrere Positionen oder Bestellaufträge ausgewählt und benutzerdefinierte Feldwerte in einer Aktion angepasst werden.
Verteilungsvorlagen in zentralen Einkaufskontrakten
Mit diesem Release wird die Arbeit mit zentralen Einkaufskontrakten noch komfortabler. Als zentraler Einkäufer ist es ab sofort möglich, Verteilungsvorlagen für Kopf- und Positionsdaten direkt in der App Zentrale Einkaufskontrakte verwalten zu nutzen.
Beim Anlegen eines neuen zentralen Einkaufskontrakts steht hierfür nun die Funktion Anlegen aus Vorlage zur Verfügung. Mit nur einem Klick wird eine konfigurierte Verteilungsvorlagen sowohl auf Kopf- als auch auf Positionsebene übernommen. Das beschleunigt die Anlage neuer Kontrakte, sorgt für konsistente Daten und reduziert den manuellen Aufwand. Die dabei erforderlichen Prüfungen und Validierungen der Verteilung erfolgen bequem in derselben App.
Gut zu wissen: Nachdem neue Verteilungsvorlagen für die Verteilung erstellt wurden, können diese nach einem Klick auf Aktualisieren sofort in der App ausgewählt und verwendet werden.
Unterstützung von Materialwirtschafts-Obligos für den öffentlichen Sektor in der App „Einkaufskontrakte verwalten“
Effizientes Budgetmanagement im öffentlichen Sektor mit SAP S/4HANA
Eine präzise Mittelreservierung ist für Beschaffungsprozesse im öffentlichen Sektor essenziell. Mit der App „Einkaufskontrakte verwalten“ können Sie nun Budgetreservierungen für den künftigen Verbrauch direkt pflegen und über das integrierte Haushaltsmanagement automatisiert entsprechende Mittelbindungsdokumente generieren. Die gebundenen Budgetbeträge lassen sich anschließend jederzeit transparent in der App „Mittelbindungen verwalten“ einsehen.
Diese nahtlose Integration bietet erhebliche Vorteile für Ihren Arbeitsalltag, da die hinterlegten Mittelbindungsdetails beim Anlegen von Bestellanforderungen oder Bestellungen mit Kontraktbezug automatisch übernommen werden. Dadurch behalten Sie stets den genauen Überblick über bereits verbrauchte sowie noch offene Budgets und schließen fehlerhafte Doppelbuchungen im System zuverlässig aus. Im Ergebnis profitieren Sie von einer effizienteren, revisionssicheren Haushaltsführung mit deutlich reduziertem manuellem Aufwand.
Fazit: Mehr Transparenz, weniger manueller Aufwand und eine revisionssichere Haushaltsführung in einem Schritt.
Integration von Lieferantenbestätigungsvermerken in die OData-API
Nahtloser Datenzugriff: Lieferantenbestätigungsvermerke jetzt per OData API verfügbar
Um Beschaffungsprozesse effizient zu halten, ist die direkte Nachverfolgbarkeit von Lieferantenrückmeldungen entscheidend. Ab sofort stehen Lieferantenbestätigungsvermerke (Supplier Confirmation Notes) über die OData-Schnittstelle zur Verfügung. Durch die Integration in das entsprechende Service-Binding können diese Notizen nun standardisiert und programmatisch über die API abgerufen werden.
Dieser Schritt bringt einen spürbaren Mehrwert für Ihre Systemlandschaft: Das manuelle Nachfassen bei Lieferanten entfällt ebenso wie die händische Datenerfassung, da Bestätigungsnotizen direkt und automationsgestützt ausgelesen werden. Über die OData-Standard-API lassen sich die Informationen nahtlos in nachgelagerte Systeme einbinden und weiterverarbeiten, was Medienbrüche eliminiert und die Transparenz in der gesamten Lieferkette weiter erhöht.
Fazit
Mit den aktuellen Neuerungen baut SAP die Funktionen im Bereich Sourcing & Procurement konsequent weiter aus. Im Mittelpunkt stehen dabei mehr Transparenz, eine stärkere Automatisierung und die Reduzierung manueller Arbeitsschritte. Von der verbesserten Dokumentenverwaltung über effizientere Bestellprozesse bis hin zu erweiterten API-Möglichkeiten profitieren sowohl Einkäufer als auch Lieferanten. Besonders die Kombination aus Fiori-Anwendungen, Massenänderungen und standardisierten Schnittstellen zeigt die zunehmende Ausrichtung auf effiziente und integrierte Beschaffungsprozesse. Unternehmen erhalten damit weitere Möglichkeiten, ihre Einkaufsprozesse zu vereinfachen, Fehler zu reduzieren und Informationen durchgängig verfügbar zu machen.
LoB Manufacturing
Mit dem SAP S/4HANA Cloud ERP Release 2608 setzt SAP die Weiterentwicklung der Fertigungsprozesse in der Public Cloud fort — diesmal mit einer bemerkenswerten Mischung: Ein Thema, auf das Produktionsplaner seit Jahren warten, kommt endlich im Standard an, und parallel dazu zieht agentenbasierte KI in die operative Auftragsabwicklung ein.
In diesem Blogbeitrag werden drei Neuerungen aus der Line of Business Manufacturing beleuchtet, die im Tagesgeschäft der diskreten Fertigung und der Prozessindustrie unmittelbar wirken: Änderungsbelege für Fertigungs- und Prozessaufträge, den neuen Production Planning and Operations Agent und die erweiterte Planauftragsbearbeitung.
Änderungsbelege für Fertigungs- und Prozessaufträge
Wer hat die Menge im freigegebenen Auftrag geändert? Wann wurde der Endtermin verschoben, und von welchem Wert auf welchen? Wer diese Frage in der Vergangenheit beantworten musste, kennt die Antwort: mühsam, unvollständig oder gar nicht. Auftragsänderungen waren nicht als Änderungsbelege protokolliert; in der Public Cloud fehlte der Zugriff auf die klassischen Auswertungswege ohnehin.
Mit Release 2608 lässt sich anzeigen, welche Änderungen an einem Fertigungs- oder Prozessauftrag vorgenommen wurden.
Was protokolliert wird
Und hier wird es für die Praxis interessant, denn die Protokollierung bleibt nicht beim Auftragskopf stehen. Änderungsbelege werden über drei Ebenen hinweg erzeugt. Beispielsweise:
- Kopf — unter anderem geplanter Start- und Endtermin, geplante Gesamtmenge und geplante Ausschussmenge
- Vorgang und Untervorgang — Arbeitsplatz, Werk und Vorgangskurztext
- Komponente — Material, Werk, Lagerort, Charge und Bedarfsmenge
Damit ist der Umfang genau dort, wo die relevanten Eingriffe stattfinden. Eine nachträglich geänderte Komponentenmenge, ein auf einen anderen Arbeitsplatz umgehängter Vorgang, ein getauschter Lagerort — das sind die Fälle, die in der Rückschau Fragen aufwerfen und bisher nicht einfach so belegbar waren.
Der Dreiklang aus altem Wert, neuem Wert und Änderer ist der Punkt, der die Funktion von einer Protokollierung zu einem Arbeitsinstrument macht. Zu wissen, dass der Endtermin geändert wurde, hilft wenig. Zu sehen, dass er von Kalenderwoche 12 auf Kalenderwoche 16 verschoben wurde und von wem — das ist eine Diskussionsgrundlage. Auch das Löschen und Hinzufügen von Komponenten und Vorgängen wird über den Änderungstyp erfasst, nicht nur die Änderung bestehender Werte.
Aktivierung ist Pflicht: ein Punkt für die Upgrade-Checkliste
Wichtig für die Planung: Die Funktion ist nicht automatisch aktiv. Die Protokollierung wird über die auftragsartabhängigen Parameter eingeschaltet.
Zwei Konsequenzen daraus, die man kennen sollte:
- Die Steuerung erfolgt je Auftragsart. Wer mehrere Auftragsarten im Einsatz hat — etwa getrennt nach Eigenfertigung, Lohnbearbeitung und Nacharbeit — muss bewusst entscheiden, wo protokolliert wird. Das ist keine Einschränkung, sondern ein sinnvoller Hebel: Nicht jede Auftragsart braucht eine Änderungshistorie.
- Protokolliert wird ab Aktivierung. Änderungen aus der Zeit davor lassen sich nicht rückwirkend rekonstruieren. Wer die Auswertung für ein Audit oder ein Kennzahlenkonzept einplant, sollte den Startzeitpunkt kennen und dokumentieren.
Der Production Planning and Operations Agent
Das Release 2608 markiert einen deutlichen Schritt in Richtung agentenbasierter Prozesse. In der Fertigung übernimmt das der neue Production Planning and Operations Agent, der über Joule in die App Manage Production Orders eingebunden ist. Der Aufruf erfolgt über den Button Joule Release in der Arbeitsvorratsliste — verfügbar, sofern das System mit Joule integriert ist. Bis zu 20 Fertigungsaufträge lassen sich gleichzeitig übergeben. Der Agent setzt genau an den beiden Punkten an, an denen eine Freigaberunde in der Praxis hängen bleibt.
Fehlteile auflösen
Versucht ein Anwender, einen Auftrag mit Komponentenunterdeckung freizugeben, greift Joule ein, bevor die Freigabe durchläuft. Der Agent prüft die Stückliste auf Alternativpositionen, verifiziert für diese Alternativen die Bestandssituation und legt die Optionen dem Planer zur Entscheidung vor. Die Entscheidung fällt damit sofort und auf Basis belastbarer Daten.
Kapazitätskonflikte bewerten
Vor der Freigabe prüft der Agent die Arbeitsplätze auf Überlast. Statt einer einfachen Warnung erhält der Planer eine Zusammenfassung der Konflikte je Auftrag und konkrete Handlungsoptionen: umterminieren oder mit gesetztem Änderungskennzeichen fortfahren. Auch hier gilt: Die Entscheidung liegt beim Planer, sie basiert auf aktuellen Kapazitätsdaten, und sie wird protokolliert.
Erst wenn alle Kriterien erfüllt sind und der Planer die vorgeschlagenen Auftragsänderungen bestätigt, schließt der Agent die Freigabe ab.
Das Release 2608 markiert einen deutlichen Schritt in Richtung agentenbasierter Prozesse. In der Fertigung übernimmt das der neue Production Planning and Operations Agent, der über Joule in die App Manage Production Orders eingebunden ist. Der Aufruf erfolgt über den Button Joule Release in der Arbeitsvorratsliste — verfügbar, sofern das System mit Joule integriert ist. Bis zu 20 Fertigungsaufträge lassen sich gleichzeitig übergeben.
Der Agent setzt genau an den beiden Punkten an, an denen eine Freigaberunde in der Praxis hängen bleibt.
- Fehlteile auflösen
Versucht ein Anwender, einen Auftrag mit Komponentenunterdeckung freizugeben, greift Joule ein, bevor die Freigabe durchläuft. Der Agent prüft die Stückliste auf Alternativpositionen, verifiziert für diese Alternativen die Bestandssituation und legt die Optionen dem Planer zur Entscheidung vor. Die Entscheidung fällt damit sofort und auf Basis belastbarer Daten.
- Kapazitätskonflikte bewerten
Vor der Freigabe prüft der Agent die Arbeitsplätze auf Überlast. Statt einer einfachen Warnung erhält der Planer eine Zusammenfassung der Konflikte je Auftrag und konkrete Handlungsoptionen: umterminieren oder mit gesetztem Änderungskennzeichen fortfahren. Auch hier gilt: Die Entscheidung liegt beim Planer, sie basiert auf aktuellen Kapazitätsdaten, und sie wird protokolliert.
Erst wenn alle Kriterien erfüllt sind und der Planer die vorgeschlagenen Auftragsänderungen bestätigt, schließt der Agent die Freigabe ab.
Der Punkt, auf den es ankommt
Der Agent entscheidet nicht selbst — er bereitet die Entscheidung vor und dokumentiert sie. Genau diese Kombination aus Automatisierung und erhaltener Kontrolle macht agentenbasierte Szenarien in der Produktionssteuerung überhaupt anschlussfähig: Ein Fertigungsauftrag, der zu früh freigegeben wird, erzeugt Fehlteile in der Halle. Dieses Risiko gibt kein Fertigungssteuerer an eine Blackbox ab.
Der typische Anwendungsfall ist die Freigaberunde am Wochenbeginn: zwanzig Aufträge, jeder mit Verfügbarkeitsprüfung, Blick auf die Kapazität und gegebenenfalls Rückfrage in der Disposition. Statt zwanzig Einzelvorgänge abzuarbeiten, bekommt der Planer eine konsolidierte Sicht auf die kritischen Fälle — und kann sich auf die drei Aufträge konzentrieren, bei denen es tatsächlich klemmt.
Übrigens ein sinnvolles Zusammenspiel mit Highlight 1: Was der Agent im Rahmen der Freigabe an Auftragsänderungen vornimmt, landet bei aktivierter Protokollierung ebenfalls in den Änderungsbelegen. Automatisierte Eingriffe bleiben damit genauso nachvollziehbar wie manuelle.
Ein Hinweis zur Planung: Für generative KI-Funktionen in SAP S/4HANA Cloud Public Edition können zusätzliche Entitlements und Berechtigungen erforderlich sein. Das gehört in die Lizenz- und Berechtigungsbetrachtung vor dem Rollout, nicht danach.
Manage Planned Orders — Fehlteile erkennen, bevor der Auftrag entsteht
Die App Manage Planned Orders hat in 2608 zwei Erweiterungen erhalten, die zusammen einen echten Prozessgewinn ergeben.
Verfügbarkeitsprüfung vor der Umsetzung
Planer können Komponentenunterdeckungen jetzt gesammelt prüfen, bevor Planaufträge in einen Fertigungsauftrag umgesetzt werden. Die neue Aktion Verfügbarkeit zurücksetzen und prüfen lässt sich als Job einplanen; die einzelnen Aktionen Materialverfügbarkeit prüfen und Verfügbarkeitsdaten zurücksetzen steht ebenfalls zur Verfügung, müssen aber nicht mehr nacheinander ausgeführt werden.
In der App Planaufträge verwalten können die beiden letzten genutzt werden. Das Ergebnis erscheint als farbiges Statussymbol in der Liste, und die neue Spalte Komponentenverfügbarkeit ist als Filter nutzbar. In den Statusmeldungen könne die fehlenden Komponenten angezeigt werden.
Das verschiebt den Zeitpunkt der Erkenntnis nach vorn — und das ist der eigentliche Punkt. Bisher wurde die Fehlteilsituation typischerweise erst beim Fertigungsauftrag sichtbar, also nach der Umsetzung. Wer sie schon am Planauftrag sieht, hat noch Spielraum: Beschaffung anstoßen, umterminieren, Alternativen prüfen.
Flexiblere Umsetzung
Der Umsetzungsdialog wurde deutlich aufgewertet:
- Auftragsart änderbar: Die Fertigungsauftragsart lässt sich direkt im Dialog wechseln — etwa von Eigenfertigung auf Fremdbearbeitung, ohne den Umweg über eine Nachbearbeitung des erzeugten Auftrags.
- Geführte Auswahl der Fertigungsversion: Eine durchsuchbare Wertehilfe zeigt die Fertigungsversionen mit vollem Kontext, inklusive Gültigkeitszeitraum und Losgrößenbereich. Das verhindert Fehlgriffe und erspart den Sprung in eine andere App.
- Transparente Mengen und Teilumsetzung: Der Dialog weist Gesamt-, Rest- und bestätigte Menge getrennt aus. Die Menge kann angepasst werden — Planaufträge lassen sich damit auch teilweise umsetzen.
Weitere Neuerungen im Überblick
Über die drei Highlights hinaus lohnt der Blick auf weitere praxisrelevante Punkte:
- Massenpflege von Arbeitsplänen: Die App Manage Routing bietet nun Mass Export, Mass Import und Logs. Arbeitsplandaten lassen sich exportieren, offline bearbeiten und zurückimportieren — für Umstellungen an vielen Arbeitsplänen gleichzeitig deutlich effizienter als Einzelpflege.
- Änderungsbelege für Prüflose und Chargeninformationen in der App Verwendungsentscheide verwalten. Die Änderungsbelege müssen im Produktstamm aktiviert werden.
- In der Kapazitätsplantafel kann nun die Produktbeschreibung angezeigt werden, ebenso wie die Auslastung mit Instandhaltungsaufträgen.
Fazit
Das Release 2608 liefert für die Fertigung eine ungewöhnlich runde Kombination. Die Änderungsbelege schließen eine Transparenzlücke, mit der Produktionsplaner sich lange behelfen mussten — und zwar über Kopf, Vorgang und Komponente hinweg, mit altem Wert, neuem Wert und Änderer. Der Preis ist ein bewusster Konfigurationsschritt je Auftragsart, der auf die Upgrade-Checkliste gehört. Der Production Planning and Operations Agent zeigt, wie agentenbasierte KI in einem sensiblen Prozess funktionieren kann, ohne die Entscheidungshoheit zu verlagern. Und die erweiterte Planauftragsbearbeitung verschiebt die Fehlteilerkennung an die Stelle, an der Reaktion noch günstig ist.
Alle drei Punkte haben eines gemeinsam: Sie machen Entscheidungen in der Produktionssteuerung nachvollziehbarer. Das ist im Zeitalter von Agenten keine Nebensache, sondern die Voraussetzung dafür, dass Automatisierung im Betrieb Vertrauen findet.
LoB Asset Management
Effizientere Instandhaltung mit dem SAP S/4HANA Cloud Release 2608: Die wichtigsten Neuerungen im Asset Management
Im Asset Management stehen im Release 2608 effizientere Arbeitsabläufe, mehr Transparenz und eine stärkere Unterstützung durch intelligente Automatisierung im Fokus.
Ein Highlight ist die App Anlagenübersicht, die SAP mit dem Release 2602 eingeführt hat. Die App erhält im neuen Release ein Upgrade und bietet somit einen umfassenderen Überblick über technische Anlagen. Neue Funktionen wie eine Thumbnail-Ansicht, ein eigener Reiter für Anhänge und aktive Wartungspläne sowie Schnellaktionen zur Erstellung von Störmeldungen oder Notfallaufträgen reduzieren Navigationsaufwände und beschleunigen die tägliche Arbeit. Zusätzlich lassen sich Stücklisten jetzt direkt aus der Übersicht aufrufen.
Auch der Bereich um das Arbeitserlaubnisverfahren wurde weiter ausgebaut. Genehmigungsprozesse können künftig mittels flexiblen Workflows an Organisationsstrukturen angepasst werden und die Steuerung der Freigaben kann durch einzelne Personen, Rollen oder Teams erfolgen. Gleichzeitig erhalten Planer innerhalb des Instandhaltungsauftrags einen direkten Überblick über zugeordnete Arbeitsgenehmigungen, ohne zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln zu müssen.
Für mehr Flexibilität sorgt außerdem die Möglichkeit, Instandhaltungsaufträge direkt aus den Anwendungen zur Auftragsverwaltung zu disponieren oder wieder zurückzunehmen – unabhängig vom zugeordneten Arbeitsplatz. Ergänzend verbessert SAP das Management von Instandhaltungsmeldungen durch Hinweise auf bereits offene Meldungen, dem nun möglichen Zurücksetzen von Löschkennzeichen, sowie der automatischen Vorbelegung des Auftragstyps.
Ein Blick auf die Roadmap zeigt zudem, wohin sich das Asset Management entwickelt: KI-gestützte Business Agents sollen künftig Wartungskosten analysieren, Anlagenhistorien zusammenfassen, Meldungen priorisieren und Instandhaltungsprozesse intelligenter unterstützen. Damit legt SAP bereits heute den Grundstein für ein zunehmend autonomes Asset Management.
LoB Supply Chain
Mit dem Release 2608 erweitert SAP die Supply-Chain-Funktionen in SAP S/4HANA Cloud Public Edition. Im Mittelpunkt stehen Verbesserungen bei Lagerverwaltung, Bestandsführung, Transportabwicklung, Chargen- und Seriennummernverwaltung sowie zusätzliche Integrations- und Erweiterungsmöglichkeiten.
Neben neuen Funktionen enthält das Release auch App-Änderungen, Nachfolge-Apps und App-Entfernungen, die Unternehmen im Rahmen der Release-Vorbereitung prüfen sollten. Der konkrete Funktionsumfang kann außerdem von aktivierten Scope Items, der Landesversion, der Systemkonfiguration und verfügbaren Berechtigungen abhängen. SAP stellt die Release-Informationen für die Public Edition im What’s New Viewer und im SAP Help Portal bereit.
Die wichtigsten Neuerungen
Neue App für Wareneingang
Im Scope Item 3BR – Warehouse Inbound Processing wird die Nachfolge-App Anlieferungen verwalten – Lager mit der App-ID F7922 eingeführt.
Die App unterstützt Anwender dabei, den Wareneingangsprozess auf Basis von Anlieferungen zentral zu überwachen und auszuführen. Zusätzlich kann die Oberfläche der Anlieferungen auf Kopf- und Positionsebene erweitert und angepasst werden.
Mögliche Anpassungen umfassen unter anderem:
- Hinzufügen oder Umbenennen von Feldern.
- Ein- und Ausblenden von Bereichen und Feldern.
- Entfernen nicht benötigter UI-Elemente.
- Neuordnung von Bereichen innerhalb des App-Layouts.
Diese Anpassungen erfolgen im Rahmen der in der Public Edition vorgesehenen Key-User- und Extensibility-Optionen. Sie sind nicht mit einer klassischen Modifikation des SAP-Standards gleichzusetzen.
Was ist zu prüfen?
- Business-Rollen und Kataloge.
- Berechtigungen für die neue App.
- Bestehende Anlieferungsprozesse.
- Verwendung der alten oder bisherigen Anwendungen.
- Relevante Anpassungen der Benutzeroberfläche
Analyse von BOP-Läufen
Im Scope Item 2LN – Basic Available-to-Promise Processing steht mit Release 2608 die neue App BOP-Läufe analysieren zur Verfügung.
Die App schafft eine Grundlage für die weitere technische und funktionale Weiterentwicklung der Rückstandsbearbeitung. Unternehmen können damit die Ausführung von Backorder-Processing-Läufen besser nachvollziehen und analysieren.
Für Unternehmen ist insbesondere zu prüfen, ob bestehende ATP- und Rückstandsbearbeitungsprozesse durch die neue Analysefunktion ergänzt werden können. Die konkrete Nutzung hängt von der aktivierten Funktionalität und der jeweiligen Public-Cloud-Konfiguration ab.
Änderungen im Outbound-Prozess
Im Bereich 3BS – Warehouse Outbound Processing werden die bisherigen Apps Ausgangsprozess durchführen – Lieferungen mit der App-ID F1704 und Ausgangsprozess durchführen – Produktion mit der App-ID F5164 entfernt.
Als Nachfolge steht die App Auslieferungsaufträge verwalten mit der App-ID F6498 zur Verfügung. Die Änderung betrifft auch das Scope Item 3DV – Warehouse Production Integration und ist dort als sofortige Änderung gekennzeichnet.
Zusätzlich wird die umbenannte App Warenausgangsbuchung einplanen – Lager um eine Option zur Warenausgangsbuchung erweitert, sofern dies im jeweiligen Prozess möglich ist. Dabei kann auch ein Buchungsdatum aus einer offenen Buchungsperiode eingegeben werden.
Für bestimmte Szenarien kann der Warenausgang außerdem über den Lagermonitor /SCWM/MON mit einem anderen Buchungsdatum gebucht werden. Dazu steht in der Dropdown-Liste Weitere Methoden die Methode Buchungsdatum zur Verfügung.
Die Nutzung dieses Verfahrens sollte vor dem produktiven Einsatz fachlich und technisch geprüft werden, insbesondere hinsichtlich:
- Buchungsperioden.
- Belegstatus.
- Folgeprozessen.
- Finanz- und Bestandsbuchungen.
- Schnittstellen und Auswertungen.
Änderungen in der Lagerverwaltung
Automatischer Druck von HU-Etiketten
Für die Lagerprozesse wird eine Funktion bereitgestellt, mit der der automatische Druck von HU-Etiketten bei der Verarbeitung von Lageraufgaben gesteuert werden kann.
Die Funktion betrifft unter anderem:
- 3BR – Warehouse Inbound Processing.
- 3BS – Warehouse Outbound Processing.
- 4MM – Handling Unit Management.
Vor der Aktivierung sollten Unternehmen festlegen, bei welchen Lageraufgaben und Prozessschritten Etiketten automatisch gedruckt werden sollen. Außerdem sind Druckerzuordnung, Formulare, Ausgabekanäle und Ausnahmefälle zu testen.
Handling Unit Management
Im Scope Item 4MM – Handling Unit Management wurden außerdem folgende Punkte ergänzt oder geändert:
- Umbenennung von Apps im Zusammenhang mit Umlagerungsbestellungen.
- Verwendung des Begriffs stock transport order anstelle von stock transfer order in der englischen Sprachversion.
- Verbesserte Filteroptionen in der App Handling Units überwachen mit der App-ID F4557.
- Erweiterung des Business-Objekt-Interfaces für Handling Units zur Aktualisierung benutzerdefinierter Felder.
- Verwendbare API: I_HANDLINGUNITTP.
Die Erweiterung des Business-Objekt-Interfaces sollte insbesondere dann geprüft werden, wenn kundenspezifische Informationen in Handling-Unit-Prozessen benötigt oder aus angebundenen Systemen aktualisiert werden sollen.
Bestandsführung und Inventory Management
Im Scope Item BMC – Core Inventory Management stehen mehrere Verbesserungen zur Verfügung.
Erweiterte Such- und Listenfelder
In der App Materialbelegübersicht mit der App-ID F1077 stehen zusätzliche Such- und Listenreportfelder zur Verfügung. Diese beziehen sich unter anderem auf:
- Kundenretouren.
- Anlieferungen.
- Auslieferungen.
- Warenbegleitscheinnummern.
Dadurch können lieferbezogene Materialbewegungen gezielter gefiltert und in Auswertungen transparenter dargestellt werden.
Zusätzliche Spalten für Einzelmaterialbestände
Die App Bestand – Einzelmaterial mit der App-ID F1076 erhält zwei optionale Spalten für Werke und Lagerorte:
- Offene Abgangsmenge: Bestandsmenge, die für offene Reservierungen zum Abgang vorgesehen ist.
- Offene Zugangsmenge: Erwartete Bestandsmenge aus offenen Reservierungen.
Diese Informationen können die operative Bestandsanalyse unterstützen. Vor einer Aktivierung sollte geprüft werden, ob die Begriffe und Mengen fachlich eindeutig verstanden werden und ob sie in bestehenden Auswertungen oder Arbeitsanweisungen berücksichtigt werden müssen.
Nachfolge-Apps für MB51 und MB52
Bereits ab SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2508 wurde die App Materialbelegliste anzeigen beziehungsweise die klassische MB51-Funktion abgekündigt und durch die Materialbelegübersicht mit der App-ID F1077 ersetzt.
Ebenfalls wurde die App Lagerbestand anzeigen beziehungsweise die klassische MB52-Funktion durch Bestand – mehrere Materialien mit der App-ID F1595 ersetzt.
Für Release 2608 sollte daher geprüft werden, ob noch Dokumentationen, Rollen, Favoriten, Schulungsunterlagen oder operative Arbeitsanweisungen auf MB51 oder MB52 verweisen. Die Umstellung sollte nicht als technische Migration einer Transaktion verstanden werden, sondern als Wechsel auf die in der Public Edition bereitgestellten Fiori-Nachfolge-Apps.
Batch Management
Im Scope Item BLF – Batch Management verbessert SAP die Fehlerbehandlung bei Änderungen der Chargenklassifizierung.
Die Funktion unterstützt eine detailliertere Behandlung von Fehlern, wenn sich Merkmalswerte während der Chargenklassifizierung ändern. Dies kann beispielsweise relevant sein, wenn Änderungen im Zusammenhang mit einer Qualitätsprüfung verarbeitet werden.
Zusätzlich wird die Fehlerbehandlung bei getrennter Bewertung unterstützt, wenn eine Bewertungsart im Rahmen von Chargenänderungen entfernt wird.
Vor dem Upgrade sollten Unternehmen insbesondere folgende Szenarien testen:
- Änderungen von Chargenmerkmalen.
- Chargenklassifizierung aus Qualitätsprozessen.
- Änderungsbelege und Folgebelege.
- Bewertete Bestände.
- Fehlerbehandlung in Integrationen.
- Batch-Jobs und automatisierte Verarbeitungen.
Die Änderung bedeutet nicht pauschal, dass jede Schnittstelle nach dem Release fehlschlägt. Sie kann jedoch dazu führen, dass bisher nicht erkannte oder nicht korrekt behandelte Fehler künftig transparenter zurückgemeldet werden.
Serial Number Management
Im Scope Item BLL – Serial Number Management in Logistics wird die App Geschäftsbelege mit Serialnummern filtern mit der App-ID F7368 erweitert.
Zusätzlich können in der Serialnummernhistorie Fehlerdetails zu Serialnummern angezeigt werden, die einem fehlerhaften Beleg zugeordnet sind. Für eine weiterführende Analyse kann anschließend die App Fehler bearbeiten mit der App-ID F8046 geöffnet werden.
Der Prozess unterstützt eine bessere Nachvollziehbarkeit von fehlerhaften Belegen und erleichtert die Ursachenanalyse in logistischen, Qualitäts- und Serviceprozessen.
Transportation Management und Lieferpläne
Mehrere Scope Items im Bereich Delivery and Transportation enthalten Erweiterungen zur Zusammenarbeit von Vertriebslieferplänen, Transportation Management und Lagerverwaltung.
Betroffen sind unter anderem:
- 6W1 – External Transportation Planning.
- 6W2 – Manual Transportation Planning.
- 6W3 – Transportation Execution.
- 6W4 – Freight Settlement.
- 3NR – External Buyer ID Mapping in Sales Scheduling Advanced Shipping Notifications.
Aktivierung von Vertriebslieferplänen
Als neuer Geschäftsprozess steht die Aktivierung von Vertriebslieferplänen mit Transportation Management und der Lagerverwaltung zur Verfügung.
Damit können entsprechende Vertriebs- und Logistikprozesse stärker miteinander verbunden werden. Ob der Prozess im jeweiligen Kundensystem eingesetzt werden kann, hängt unter anderem von den aktivierten Scope Items, der Systemkonfiguration und den beteiligten Integrationsszenarien ab.
Lohnbearbeitungsbestellungen mit Sonderbeständen
Eine weitere Funktion ermöglicht die Integration von Lohnbearbeitungsbestellungen für Sonderbestände mit Transportation Management.
Die Funktion betrifft Folge-Apps mit den App-IDs:
F3635, F4329, F6535, F6213, F8921, F5514, F5513 und F6498.
Vor der Aktivierung sollten die betroffenen Belegflüsse, Bestandsarten und Transportprozesse in einem Testsystem geprüft werden. Besonders wichtig sind dabei die Übergänge zwischen Beschaffung beziehungsweise Lohnbearbeitung, Lagerverwaltung, Transportplanung und Transportabwicklung.
Externe Einkäufernummern in Lieferavisen
Im neuen beziehungsweise erweiterten Integrationsszenario 3NR können externe Einkäufernummern in Lieferavisen für Vertriebslieferpläne zugeordnet werden.
Diese Funktion kann insbesondere für Integrationsprozesse relevant sein, in denen externe Referenzen aus Kunden- oder Partnersystemen in Lieferavisen übernommen und weiterverarbeitet werden.
Integration mit SAP Logistics Management
Für das Scope Item 83S – Integration with SAP Logistics Management ist ein neuer Integrationsumfang verfügbar. Damit kann SAP S/4HANA Cloud Public Edition mit SAP Logistics Management integriert werden, das auf der SAP Business Technology Platform betrieben wird.
Der Funktionsumfang ist laut den vorliegenden Release-Informationen nur in der deutschen Landesversion verfügbar. Deshalb sollte vor einer Bewertung geprüft werden:
- Ob das Kundensystem die erforderliche Landesversion verwendet.
- Ob das Scope Item im jeweiligen System aktivierbar ist.
- Welche zusätzlichen Lizenzen und Entitlements erforderlich sind.
- Welche Integrationskomponenten auf SAP BTP benötigt werden.
- Welche Stammdaten und Belege zwischen den Lösungen ausgetauscht werden.
Die Verfügbarkeit eines Scope Items bedeutet nicht automatisch, dass die Funktion in jedem Public-Cloud-System bereits aktiviert oder ohne weitere Voraussetzungen produktiv nutzbar ist.
Extensibility im Delivery-Umfeld
Im Scope Item BD9 – Commodity Code Field Available in BAdIs and CDS Views wird die Erweiterbarkeit im Delivery-Umfeld verbessert.
Das Feld für die statistische Warennummer steht in ausgewählten BAdIs und CDS-Views zur Verfügung. Zusätzlich wird eine flexible Gruppierung in Lieferscheinen unterstützt.
Für Erweiterungsprojekte sollten Unternehmen prüfen, ob:
- Bestehende CDS-Views von den Änderungen betroffen sind.
- Das Feld in kundenspezifischen Auswertungen benötigt wird.
- BAdI-Implementierungen angepasst werden müssen.
- Lieferbelege nach neuen Gruppierungsanforderungen strukturiert werden sollen.
- Die Änderung Auswirkungen auf Integrationen oder Formulare hat.
Was Unternehmen vor dem Release prüfen sollten
Für die Release-Vorbereitung in der SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2608 empfiehlt sich eine strukturierte Prüfung:
- Betroffene Apps und Nachfolge-Apps in den Business-Rollen identifizieren.
- Die Entfernung von F1704 und F5164 in den Bereichen Outbound Processing und Warehouse Production Integration berücksichtigen.
- Fiori-Kataloge, Spaces, Pages und Berechtigungen für F6498 und F7922 prüfen.
- Referenzen auf MB51 und MB52 in Arbeitsanweisungen und Schulungsunterlagen aktualisieren.
- Bestehende Varianten, Filter und Auswertungen in F1077, F1076 und F1595 testen.
- Integrationen für Chargen, Serialnummern, Lieferpläne und Lohnbearbeitungsbestellungen regressiv testen.
- HU-Etikettendruck, Druckerfindung und Ausgabekanäle prüfen.
- Scope Items und Landesverfügbarkeit, insbesondere für Scope Item 83S, verifizieren.
- Erweiterungen, CDS-Views, BAdIs und APIs auf betroffene Felder und Objekte analysieren.
- Fachbereiche und Key User über App-Namen, Prozessänderungen und neue Bedienoberflächen informieren.
Fazit
SAP S/4HANA Cloud Public Edition 2608 bringt für Supply Chain zahlreiche praktische Verbesserungen. Die Schwerpunkte liegen auf moderneren Fiori-Apps, einer transparenteren Lager- und Bestandsverwaltung, erweiterten Analysefunktionen sowie einer engeren Integration von Transportation Management, Lagerverwaltung und Lieferplanprozessen.
Besonders relevant für die Release-Vorbereitung sind die Einführung der App Anlieferungen verwalten – Lager mit F7922, die Entfernung der bisherigen Outbound-Apps F1704 und F5164 sowie die Nutzung von Auslieferungsaufträge verwalten mit F6498. Ebenso sollten die Nachfolge-Apps für MB51 und MB52 sowie die Änderungen in Batch Management, Handling Unit Management und Serial Number Management berücksichtigt werden.
Die beschriebenen Funktionen sind im Kontext der SAP S/4HANA Cloud Public Edition zu bewerten. Eine Funktion aus dem Release-Dokument ist daher nicht automatisch gleichbedeutend mit einer sofortigen Verfügbarkeit in jedem Kundensystem. Entscheidend sind das aktivierte Scope Item, die Landesversion, die Systemkonfiguration, Berechtigungen, mögliche Entitlements und die jeweils im SAP Help Portal dokumentierten Voraussetzungen. Die Release-Informationen sollten deshalb vor einer verbindlichen Aussage zum konkreten Kundensystem im What’s New Viewer geprüft werden
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Von Rico Just und Lukas Albers, 03. September 2026
Autoren
Lukas Albers
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