Panasonic Europe B.V.

Mit Camunda und DMN zur Massenproduktion von Freigabeprozessen

Panasonic Europe B.V.

Branche: Elektronik
Firmensitz: Hamburg

Beratungsschwerpunkte

Die Ergebnisse in der Übersicht

Der Ansatz ist inzwischen breit ausgerollt und wird kontinuierlich erweitert. Aus Projektsicht besonders relevant:

Der typische Implementierungsaufwand für eine neue Prozessvariante liegt – auf Basis der vorhandenen Bausteine – bei nur etwa 1–2 Personentagen.

Erkenntnisse aus dem Projekt

Ausgangssituation: Wachsende Komplexität in Freigabeprozessen

Viele Unternehmen kennen die Situation: Zuerst wird ein einfacher Freigabeprozess digitalisiert. Dann folgen Varianten für Länder, Produktbereiche und Betragsgrenzen. Die Regeln werden komplexer und irgendwann kann man mit dem zugrundeliegenden BPMN-Modell nach ISO-Standard eine Hauswand tapezieren. Später gibt es noch für jeden Anwendungsfall ein eigenes Modell: alle ähnlich, alle geschäftskritisch, alle mit Compliance-Anforderungen.

Die Kernfrage

Die entscheidende Frage lautet dann: Wie lässt sich diese Menge an Freigabeprozessen und deren Varianten  so strukturieren, dass sie dauerhaft modellierbar, auditierbar und änderbar bleibt?

Panasonic Europe’s Antwort: Ein DMN-zentrierter Ansatz

Bei Panasonic Europe B.V. lautet die Antwort: ein DMN-zentrierter Ansatz mit einem generischen BPMN-Modell und einer größeren Zahl von DMN-Tabellen, in denen die eigentliche Prozessdefinition liegt. Auf dieser Basis laufen heute über 200.000 Instanzen pro Jahr über eine Architektur, die gezielt auf die „Massenproduktion“ neuer Workflows ausgelegt ist.

Das Zielbild hat Philipp Jahn (Senior Manager Workflow, Web and PIM Consulting bei Panasonic Europe B.V.) klar umrissen:

  • Hunderte Approval-Prozesse müssen digitalisiert werden.
  • Compliance und Auditierbarkeit müssen durchgängig sichergestellt werden.

Gleichzeitig ist Panasonic Europe B.V.durch die Herausforderungen einer Matrix-Organisation geprägt: unterschiedliche Produktkategorien, Länder, Regionen und Richtlinien, dazu eine gewachsene Systemlandschaft im Hintergrund. Klassische „Ein BPMN-pro-Prozess“-Ansätze stoßen hier schnell an Grenzen – die Zahl der Modelle explodiert, Logik wird dupliziert, Änderungen werden richtig teuer.

Der DMN-first-Ansatz

Panasonic B.V. nutzt Camunda zur Workflow-Automatisierung. Aber der von Panasonic B.V. gewählte Ansatz dreht das übliche Verhältnis von BPMN und DMN um: Ein einziges generisches BPMN-Modell bildet die universellen Phasen eines Freigabeprozesses ab. Die eigentlichen Regeln, die den konkreten Ablauf der gesamten Freigabekette und ihrer Varianten bestimmen, stehen in DMN-Entscheidungstabellen. Die DMN ist ein Standard der OMG, deren Modelle an BPMN-Tasks referenziert werden.

Typische Eingangsparameter dieser DMN-Tabellen sind dabei Antragsart, Betragsklassen, Produktkategorie oder Organisationseinheiten. Die Ausgangsparameter sind die durchzuführenden Workflow-Schritte. Bei einem reinen Genehmigungsprozess lassen sich typische Konstellationen leicht abbilden:

  • Geringe Beträge → Freigabe durch Linienvorgesetzte 
  • Mittlere Beträge → Linie + Bereichsleitung
  • Hohe Beträge → zusätzlich Finance oder Management

Welche Eingabeparameter zu welchen Schritten und beteiligten Rollen führen, ist für die Anwender leicht nachvollziehbar und zugleich maschinenlesbar sowie direkt ausführbar in Camunda.

Komplexität in den Griff bekommen

Damit die Matrix-Struktur des Konzerns nicht zu einer kombinatorischen Explosion der Regeln führt, wird die Entscheidungslogik auf mehrere DMN-Tabellen verteilt. Verschachtelte („nested“) DMNs sind vorgelagert und entscheiden beispielsweise über zuständige Verantwortlichkeiten für Organisationseinheiten, Produktkategorien oder Regionen. Erst eine nachgelagerte Tabelle kombiniert diese Zwischenergebnisse zur finalen Freigabekette. Jede Tabelle bleibt dadurch übersichtlich, Änderungen in einer Dimension (neue Produktlinie, neue Region) können lokal vorgenommen werden, ohne den eigentlichen Freigabe-Flow zu verändern.

Seit einer späteren Ausbaustufe legen die DMN-Tabellen nicht nur fest, wer beteiligt ist, sondern auch, welche Aufgabentypen erzeugt werden. Orientierung schafft dabei das RACI-Prinzip: Neben Approval-Tasks stehen auch Consult-Tasks, Notification-Tasks und Execute-Tasks zur Verfügung. Die Workflow-Engine interpretiert diese Angaben und erzeugt den jeweils passenden User Task-Typ. DMN fungiert damit als generische Steuerlogik, während das BPMN-Modell den Ablaufrahmen vorgibt.

Auch die Integration von Drittsystemen gelingt hierüber: System-Tasks sind in der Lage, eine Vielzahl von ERP-Systemen (darunter SAP R/3 und SAP S/4HANA) anzubinden, um beispielsweise eine genehmigte Stammdatenanlage für einen neuen Geschäftspartner direkt im zuständigen System ablegen zu können.

Das Team und die Rolle der cimt ag

Panasonic Europe  B.V. betreibt die Lösung mit einem internen Kotlin-Entwicklerteam. Ergänzend bringt die cimt ag methodische und technische Expertise ein. Als Camunda Platinum Partner gehören wir zu den führenden Anbietern in der DACH-Region – mit starker Projekterfahrung, viel Leidenschaft und dem Drive, Dinge wirklich voranzubringen.

Das für Panasonic B.V. ausgewählte cimt Team besteht aus:

  • Ein Fachexperte verantwortet das methodische Design des DMN-Ansatzes und begleitet als Business Analyst die Umsetzung neuer Workflow-Projekte.
  • Ein zertifizierter Camunda Developer unterstützt das interne Team auf Implementierungs- und Integrationsseite.

„Die Zusammenarbeit mit der cimt ag erfüllt mich mit großer Zufriedenheit – zuverlässig, flexibel und stets in hervorragender Qualität.“

Philipp Jahn, Senior Manager Workflow, Web and PIM Consulting bei Panasonic Europe B.V.

Fazit

Panasonic Europe B.V. profitiert vor allem durch hohe Skalierbarkeit und schnelle Anpassbarkeit, da neue Varianten ohne Änderungen am BPMN-Modell entstehen und in ein bis zwei Tagen umgesetzt sind. Gleichzeitig steigt die Compliance und Transparenz, weil alle Entscheidungsregeln zentral in DMN abgelegt, versioniert und jederzeit nachvollziehbar sind – was Risiken reduziert und Audits deutlich vereinfacht.

Der Ansatz eignet sich insbesondere für Organisationen, die viele strukturell ähnliche, aber im Detail unterschiedliche Freigabeprozesse betreiben – und die dafür eine Architektur suchen, die sowohl heute als auch in einigen Jahren noch beherrschbar ist.

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